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GPSR-Komplettservice vs. App vs. Agentur: Was lohnt sich?

GPSR-Komplettservice, App oder Agentur: Kosten, Haftung und EU-Verantwortliche Person im direkten Vergleich für Shopify-Händler mit China-Sourcing.

GP GPSR Pro Redaktion
11. Juli 2026 8 Min
Inhalt dieses Artikels

Wer als Shopify-Händler Produkte aus Drittländern wie China bezieht, muss seit Dezember 2024 die EU-Produktsicherheitsverordnung GPSR (Verordnung (EU) 2023/988) erfüllen. Drei Wege führen dorthin. Eine App, die Compliance-Daten im Shop verwaltet, ein gebündelter GPSR-Komplettservice oder eine Beratungsagentur. Dieser Vergleich zeigt, welches Modell zu welchem Händlertyp passt, was jede Option kostet und wer im Ernstfall haftet.

Auf einen Blick

  • GPSR-App: verwaltet Compliance-Daten im Shop, meist ab 0 bis 99 Euro pro Monat, deckt in der Regel keine EU-Verantwortliche Person ab
  • GPSR-Komplettservice: bündelt EU-Verantwortliche Person, Kennzeichnung und Dokumentenarchiv, typisch 249 bis 999 Euro pro Jahr
  • GPSR-Agentur: individuelle Beratung inklusive Risikoanalyse, Preise meist auf Anfrage, am besten für komplexe oder gefährdungsgeneigte Produktkategorien
  • Rechtsgrundlage: Artikel 16 GPSR in Verbindung mit Artikel 4 Absatz 3 der Marktüberwachungsverordnung (EU) 2019/1020
  • Bußgelder bei Verstößen: in Deutschland bis zu 50.000 Euro möglich

Was ist ein GPSR-Komplettservice?

Ein GPSR-Komplettservice ist ein gebündeltes Leistungspaket, das die wichtigsten Pflichten der EU-Produktsicherheitsverordnung in einem Vertrag abdeckt. Dazu gehören typischerweise die Übernahme der EU-Verantwortlichen Person, die Erstellung rechtssicherer Produktkennzeichnungen und die Archivierung technischer Dokumentation über die vorgeschriebene Frist. Ein Vertrag statt drei. Die Verordnung (EU) 2023/988 ist seit dem 13. Dezember 2024 in allen 27 Mitgliedstaaten verbindlich und hat die alte Produktsicherheitsrichtlinie 2001/95/EG abgelöst.

Anbieter solcher Komplettpakete richten sich an Händler, die nicht mehrere einzelne Dienstleister koordinieren wollen. Statt eine App für Produktdaten, einen separaten Anbieter für die Verantwortliche Person und eine Kanzlei für Rechtsfragen zu kombinieren, kauft der Händler ein Paket, das die Kernpflichten zusammenfasst. Das unterscheidet den Komplettservice sowohl von einer reinen App-Lösung, die nur Compliance-Daten im Shop verwaltet, als auch von einer Beratungsagentur, die primär individuelle Rechtsberatung und Risikoanalyse anbietet.

App, Komplettservice oder Agentur: Was ist der Unterschied?

Die drei Modelle unterscheiden sich vor allem darin, wie viel Verantwortung sie dem Händler abnehmen und wie standardisiert die Leistung ist. Eine App automatisiert Datenpflege im Shop-System, ein Komplettservice bündelt mehrere Pflichten in einem Vertrag, und eine Agentur berät individuell und übernimmt oft komplexere Fälle. Die folgende Übersicht stellt die drei Wege mit ihren typischen Kosten und dem Kernunterschied bei der EU-Verantwortlichen Person gegenüber.

Vergleich der drei GPSR-Komplettservice-Modelle App, Komplettservice und Agentur mit Kosten und EU-Verantwortlicher Person

Die App-Lösung

Eine GPSR-App wie GPSR Pro läuft direkt im Shopify-Backend und verwaltet Herstellerangaben, Sicherheitswarnungen und Produktkennzeichnungen auf den Produktseiten. GPSR Pro etwa füllt Herstellerdaten und Warnhinweise per KI-Auto-Fill automatisch aus, übersetzt Pflichtangaben in bis zu 24 EU-Sprachen und protokolliert jede Änderung in einem Audit-Trail mit Zeitstempel und Hash-Wert. Wichtig für die Einordnung: GPSR Pro selbst tritt nicht als EU-Verantwortliche Person auf. Kein Vertrag, keine Haftung, nur Verweis. Die App zeigt stattdessen ein Verzeichnis externer Anbieter für diese Rolle, mit geschätzten Kosten von 90 bis 1.790 Euro pro Jahr, Vertrag und Abrechnung laufen direkt mit dem jeweiligen Anbieter. Eine App-Lösung passt am besten zu Händlern, die bereits eine EU-Verantwortliche Person haben oder diese separat beauftragen wollen und in erster Linie die Produktdatenpflege im Shop automatisieren möchten.

Der Komplettservice

Anbieter wie fluxy.one bündeln die EU-Verantwortliche Person, automatisierte Kennzeichnungserstellung und ein zehnjähriges Dokumentenarchiv für technische Unterlagen und Konformitätserklärungen in einem Paket. Eine Ansprechstelle für alles. Das Modell richtet sich an Händler, die mehrere GPSR-Pflichten nicht über verschiedene Verträge verwalten wollen. Ein Komplettservice übernimmt in der Regel mehr rechtliche Verantwortung als eine App, bleibt aber stärker standardisiert als eine individuelle Agenturberatung.

Die Agentur

Beratungsagenturen und spezialisierte Kanzleien wie trade-e-bility oder UL Solutions bieten Einzelfallprüfung, Risikoanalyse und oft auch CE-Kennzeichnung oder weitere Produktsicherheitsthemen über GPSR hinaus an. Standardpakete reichen hier oft nicht. Dieses Modell eignet sich für Händler mit komplexen Produktkategorien, etwa Elektrogeräten oder Kosmetik, bei denen eine pauschale Lösung die Risiken nicht ausreichend abdeckt. Der Preis wird meist individuell nach Aufwand kalkuliert und selten öffentlich gelistet.

Kosten im Vergleich: Was zahlen Shopify-Händler wirklich?

Die drei Modelle liegen preislich deutlich auseinander: App-Lösungen kosten meist 0 bis 99 Euro im Monat, Komplettservices 249 bis 999 Euro im Jahr, und Agenturleistungen bewegen sich je nach Aufwand oft im vierstelligen Bereich pro Jahr.

ModellBeispielanbieterTypische KostenEnthält EU-Verantwortliche Person
AppGPSR ProKostenlos (bis 10 Produkte), 19 Euro/Monat (250 Produkte), 49 Euro/Monat (2.500 Produkte, KI-Funktionen), 99 Euro/Monat (unbegrenzt, API)Nein, nur Verzeichnis externer Anbieter
Komplettservicefluxy.oneAb 249 Euro/Jahr (nur Verantwortliche Person), Komplettpaket ab 999 Euro/JahrJa, inklusive
Agenturtrade-e-bility, UL SolutionsIndividuelles Angebot, meist auf AnfrageJa, je nach Vertragsumfang

Eine externe EU-Verantwortliche Person kostet außerhalb eines Komplettpakets meist zwischen 600 und 2.000 Euro pro Jahr, abhängig von Produktanzahl und Haftungsumfang. Wer nur eine App nutzt und die Verantwortliche Person separat bucht, sollte diese Kosten zur App-Gebühr addieren, um die tatsächliche Gesamtbelastung zu vergleichen. Bei kleineren Katalogen mit wenigen Produkten ist eine App oft günstiger, sobald jedoch die Verantwortliche Person separat beauftragt werden muss, nähern sich App-plus-RP-Kosten den Einstiegspreisen eines Komplettservice an.

Haftung und EU-Verantwortliche Person: Wer übernimmt was?

Die EU-Verantwortliche Person haftet gegenüber den Marktüberwachungsbehörden für die in Artikel 4 Absatz 3 der Marktüberwachungsverordnung (EU) 2019/1020 genannten Pflichten, unabhängig davon, welches Servicemodell der Händler gewählt hat. Artikel 16 GPSR verweist ausdrücklich auf diese Pflichten und ergänzt eine eigene Prüfpflicht für die verantwortliche Person.

Bei einer reinen App-Lösung bleibt der Händler selbst verantwortlich, sofern keine externe Verantwortliche Person separat beauftragt wurde. Ein Komplettservice übernimmt die Rolle der Verantwortlichen Person vertraglich und haftet im vereinbarten Umfang für die in Artikel 4 Absatz 3 genannten Aufgaben, etwa die Prüfung der technischen Dokumentation und die Zusammenarbeit mit Marktüberwachungsbehörden. Eine Agentur übernimmt diese Rolle ebenfalls, oft mit zusätzlicher individueller Haftungsprüfung für komplexere Produktrisiken. In allen drei Fällen bleibt der Hersteller oder Importeur zusätzlich für die Produktsicherheit selbst verantwortlich, die Verantwortliche Person ersetzt diese Grundpflicht nicht, sondern ergänzt sie um die EU-seitige Ansprechfunktion.

Wer bei Verstößen unvorbereitet ist, riskiert in Deutschland Bußgelder bis zu 50.000 Euro sowie ein mögliches Vertriebsverbot für die betroffenen Produkte. Das gilt unabhängig vom gewählten Servicemodell, weshalb die Wahl des richtigen Anbieters weniger eine Frage des günstigsten Preises als der tatsächlich abgedeckten Pflichten ist.

Welches Modell passt zu welchem Händlertyp?

Die richtige Wahl hängt vor allem von drei Faktoren ab: der Kataloggröße, der bestehenden EU-Präsenz und der Komplexität der Produktkategorie. Die folgende Einordnung zeigt vier typische Händlerprofile mit ihrer jeweils passenden Empfehlung.

Entscheidungshilfe für GPSR-Komplettservice nach Händlertyp: kleiner Shop, China-Sourcing, mehrere Marken oder vorhandene EU-Präsenz

  • Kleiner Shop ohne eigene EU-Niederlassung, unter 250 Produkten, Standardware: eine App-Lösung kombiniert mit einer separat gebuchten externen Verantwortlichen Person deckt die Pflichten meist kostengünstig ab
  • Mittlerer Shop mit China-Sourcing und wachsendem Katalog: ein Komplettservice reduziert den Koordinationsaufwand, weil Kennzeichnung, Dokumentenarchiv und Verantwortliche Person aus einer Hand kommen
  • Größerer Shop mit mehreren Marken oder sicherheitskritischen Produktkategorien wie Elektronik, Spielzeug oder Kosmetik: eine Agentur mit individueller Risikoanalyse bietet mehr Absicherung als ein standardisiertes Paket
  • Shop mit bereits vorhandener EU-Verantwortlicher Person, etwa über einen EU-Importeur: eine App allein reicht oft aus, da die zentrale Haftungsfrage bereits gelöst ist

Diese Einordnung ist eine Orientierung, keine rechtliche Einzelfallprüfung. Bei Unsicherheit über die eigene Produktkategorie lohnt sich vor der Entscheidung ein kurzes Gespräch mit einem Anbieter der jeweils infrage kommenden Kategorie.

Die Kombination: App plus externer EU-Verantwortlicher

Für viele Shopify-Händler ist die praktikabelste Lösung keine der drei reinen Varianten, sondern eine Kombination aus App und separat gebuchter Verantwortlicher Person. Die App übernimmt die laufende Pflege der Produktdaten im Shop, während ein externer Anbieter die rechtliche Rolle der Verantwortlichen Person ausfüllt.

GPSR Pro zeigt dieses Modell exemplarisch: Die App füllt Herstellerangaben und Warnhinweise automatisch aus der Produktbeschreibung aus, übersetzt sie in die Sprache des jeweiligen EU-Kunden und hält jede Änderung in einem geprüften Protokoll fest. Parallel dazu zeigt sie ein kuratiertes Verzeichnis externer Anbieter für die Verantwortliche Person, sodass der Händler diese Rolle gezielt und ohne lange Anbietersuche separat vergeben kann. Der folgende Blick auf die Startseite der App zeigt diese Automatisierungsfunktionen im Überblick.

Startseite der GPSR-Komplettservice-App GPSR Pro mit KI-Hersteller-Erkennung und Audit-Trail für Shopify

Der Vorteil liegt in der Flexibilität. Der Händler kann die App unabhängig vom RP-Anbieter wechseln und zahlt für jede Leistung nur das, was er tatsächlich benötigt. Der Nachteil ist der höhere Koordinationsaufwand gegenüber einem einzigen Komplettservice-Vertrag.

Worauf Sie bei der Auswahl eines GPSR-Dienstleisters achten sollten

Unabhängig vom gewählten Modell lohnt sich vor der Buchung ein Blick auf vier Kriterien, die über die reine Preisfrage hinausgehen.

  • Aktualisierungspflicht bei Rechtsänderungen: Übernimmt der Anbieter automatisch Anpassungen, wenn sich GPSR-Auslegungen oder nationale Umsetzungen ändern, oder muss der Händler das selbst verfolgen?
  • Nachweisbarkeit und Audit-Trail: Kann der Anbieter im Streitfall lückenlos dokumentieren, wann welche Angabe geprüft und aktualisiert wurde?
  • Reaktionszeit bei Rückrufen oder Behördenanfragen: Wie schnell reagiert der Anbieter, wenn eine Marktüberwachungsbehörde Unterlagen anfordert?
  • Sprachabdeckung: Deckt der Anbieter alle Länder ab, in die tatsächlich verkauft wird, inklusive der jeweiligen Landessprache auf der Kennzeichnung?

Ein Anbieter, der bei diesen vier Punkten keine klare Antwort liefert, ist selbst dann ein Risiko, wenn der Preis attraktiv wirkt.

Häufige Fragen zum GPSR-Komplettservice

Reicht eine GPSR-App allein für die Compliance aus?

Nein, eine App allein deckt in der Regel nur die Datenpflege im Shop ab, nicht die Rolle der EU-Verantwortlichen Person. Wer keine eigene EU-Präsenz hat, braucht zusätzlich einen externen Anbieter für diese Rolle, entweder separat gebucht oder über ein Komplettservice-Paket.

Kann ich zwischen den drei Modellen wechseln, wenn mein Shop wächst?

Ja, ein Wechsel ist grundsätzlich möglich, sollte aber rechtzeitig vor Ablauf bestehender Verträge geplant werden, da die Verantwortliche Person durchgängig benannt sein muss. Ein plötzlicher Anbieterwechsel ohne nahtlose Übergabe kann zu einer Lücke in der Pflichtabdeckung führen.

Was passiert, wenn ich gar keinen GPSR-Service nutze?

Ohne benannte Verantwortliche Person und vollständige Kennzeichnung drohen in Deutschland Bußgelder bis zu 50.000 Euro sowie ein Vertriebsverbot für die betroffenen Produkte. Marktplätze wie Amazon können zudem Angebote ohne vollständige GPSR-Angaben eigenständig sperren.

Lohnt sich ein Komplettservice auch für sehr kleine Shops?

Das hängt vom Produktkatalog ab. Bei wenigen Produkten und niedrigem Risiko ist eine App kombiniert mit einer separat gebuchten Verantwortlichen Person meist günstiger. Bei wachsendem Katalog oder mehreren Produktkategorien gleicht sich der Kostenvorteil oft aus, während der Koordinationsaufwand beim Komplettservice geringer bleibt.

Deckt ein GPSR-Komplettservice automatisch auch die CE-Kennzeichnung ab?

Nein, ein GPSR-Komplettservice deckt die CE-Kennzeichnung nicht automatisch ab, da beide Regelungen unterschiedliche Zwecke verfolgen und parallel bestehen. Die GPSR wirkt als branchenübergreifendes Sicherheitsnetz für nahezu alle Verbraucherprodukte und greift genau dort, wo keine speziellere CE-Harmonisierungsvorschrift wie etwa die Spielzeugrichtlinie bereits existiert. Ein CE-Zeichen auf einem Produkt bedeutet deshalb nicht automatisch vollständige GPSR-Konformität, und umgekehrt ersetzt die GPSR kein erforderliches CE-Zeichen. Manche Komplettservice- und Agenturanbieter, etwa trade-e-bility, listen CE-Kennzeichnung als separate Zusatzleistung neben dem GPSR-Paket. Das sollte vor Vertragsabschluss explizit geklärt werden, besonders bei CE-pflichtigen Produktgruppen wie Elektrogeräten, Spielzeug oder Maschinen.

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GPSR Pro Redaktion

Unser Redaktionsteam verfolgt die GPSR-Rechtslage in der DACH-Region und übersetzt sie in umsetzbare Schritte für Shopify-Händler.

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